Comix Corner : Comics & Graphic Novels. Joann Sfar: Professeur Bell (II) Les Poupées de Jerusalem (2000)
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Autor

Joann Sfar (*1971)

Wertung


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Joann Sfar: Professeur Bell (II) Les Poupées de Jerusalem (2000)

Eine Kritik von Ekkehard Knörer

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Professor Bell, Chirurg in Edinburgh, ist eine historische Gestalt, Conan Doyles Sherlock Holmes, der ebenfalls einen kurzen Auftritt hat, soll in ihm eines seiner lebensechten Vorbilder gehabt haben. Sein treuer Begleiter, das grünliche Gespenst, das immer so aussieht, als sei es in ein eine Nummer zu großes Bettuch gekleidet, ist es nicht. Munter mischt nach dieser Art Joann Sfar Imaginiertes und Faktisches, Fantastisches und Historisches durcheinander, und zwar so, dass es eine Lust ist. Die eigentliche Geschichte von Les Poupées de Jerusalem ist aber entschieden auf der fantastischen Seite: der Teufel, seit tausend Jahren in Jerusalem eingesperrt, hat eine Woche Zeit, sich zu befreien, Professor Bell und drei Geistliche der verschiedenen in Jerusalem vertretenen Religionen müssen das verhindern.

Sfar, der sich mit der Reihe klar in die Tradition von Jacques Tardis Adèle stellt, erfindet und zitiert mit großer Lust am Synkretismus unheimliche und groteske Gestalten, lässt etwa zwei der Geistlichen erst einmal in Gläsern klein- und eingemacht auftreten. Wunderbar auch der Besuch beim unter gewissen Konditionen hilfsbereiten alten Teufel, der in eine Riesenbibliothek eingesperrt ist - die jedoch ausschließlich mit Bibeln bestückt wurde. Religiöse Konnotationen sind so allgegenwärtig, das Spiel, das Sfar damit treibt, ist jedoch ganz säkular. Der Teufel und seine Gegenspieler - Gott, Gespenster, Engel etc. - sind hier nur Figuren in einer Abenteuergeschichte, haben mit Theologischem wenig im Sinn.

So recht zum Verlieben sind Sfars Zeichnungen. Er ist ein Meister des Gestrichels, der unfertig scheinenden Figuren, die krumm und schief sind wie die Hintergründe, des Flächig-Unperspektivischen - und doch ist alles stimmig, gelingen insbesondere Stimmungswechsel in monochromen Einfärbungen sehr überzeugend. Stark karikaturhaft, komisch, aber nicht lächerlich, wie durch die Luft schwebende Marker der verweigerten Perspektive sind Figuren in der Halbdistanz, gnomenhafte Schatten in groben Umrissen wie auf Kinderzeichnungen: herrlich. Zeichnerisch wie erzählerisch ist das alles von großem Einfallsreichtum - und zwar von der spontanen Art, der man anmerkt, dass Sfar noch den albernsten Ideen gerne nachgibt, egal, ob der Ton damit nun gebrochen, der Stil gewechselt wird. So ist das ganze frisch und vergnüglich, ohne falsche Prätentionen: bitte mehr davon.

Comix Corner:  Joann Sfar: Professeur Bell (2000)

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