Comix Corner : Comics & Graphic Novels. Andreas Dierßen: Kunz
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Autor

Andreas Dierßen  (*1962)

Aufgewachsen in Kirchgellersen (bei Lüneburg), besuchte die Fachhochschule für Gestaltung in Hamburg. 1991 veröffentlichte er sein erstes Comic-Album "Liebe, Tod und andere Grausamkeiten". 1993 erschienen "Die Nachtjäger", 1995 das Album "Mild & Sanft", das auch in Japan bei Kodansha im Comic-Magazin "Morning" veröffentlicht wurde, und die Serie Kunz, die ebenfalls in "Morning" erschien. 1998 publizierte Dierßen in Zusammenarbeit mit dem Zeichner Jürgen Mick dasAlbum "Cohn und Markowitz: Ladykiller".
(Quelle: Verlagsinformationen)

Wertung


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Andreas Dierßen: Kunz (1999)

Eine Kritik von Ekkehard Knörer

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Hölle - Opfer - Rache überschreibt Andreas Dierßen die drei Kurzcomics um den Privatdetektiv Kunz. Die Einsilbigkeit des Titels ist Programm: Dierßen erzählt Genre-Vignetten in konsequentem Hardboiled-Minimalismus. Drei Geschichten um brutalen Mord: ein Serienkiller, ein Missbrauchsopfer, das zum Täter wird und der Mord an einem Strichjungen. Das alles in düsterem, nicht weiter detailliertem Setting, mit den wiederkehrenden Figuren der Polizisten Patzak und Herzog, kaum ein Genre-Klischee wird ausgelassen. Erstaunlich dabei ist, wie wirkungsvoll Dierßen die Klischees einzusetzen weiß, ihnen durch seine Lakonie, seinen Zeichenstil, der ebenfalls ganz aufs Wesentliche konzentriert bleibt, eine beträchtliche Schlagkraft zu geben versteht. Gesichter und Hintergründe bleiben schematisch, die Geschichten werden flüssig erzählt, angelehnt an filmische Muster der Decoupage, also der Abfolge von raschem Ins-Bild-Setzen durch Establishing Shots und detaillierenden Nahaufnahmen. Großaufnahmen von Details, oft aus der Narration herausgenommen, ohne Panelbegrenzung, sind ein Markenzeichen Dierßens, aber es gibt auch eindrucksvolle Zooms und souveränen Umgang mit der Zeit durch Zergliederung in rasche Abfolgen von schmalen Panels.

Obgleich die Geschichten zuerst in einem japanischen Manga-Magazin veröffentlicht wurden, ist der Effekt dieser Zergliederungen aber nicht der manga-typische der Temposteigerung, des raschen Schnitts. Dem steht die düstere Schwere des Tons in Kunz entgegen - gerade die Actionszenen sind eigenwillig gegen den Strich eines solchen (oder gar des amerikanischen Mainstream-Comic-)Effektbewusstseins gearbeitet: ein Schusswechsel am Ende der ersten Geschichte ist auf zwei aus dem Panelrahmen genommene groß ins Bild gesetzte Revolver reduziert, unterstrichen nur durch lautmalerische Bangs, aber ohne jede Orientierung auf Schützen, Ziele und die räumliche Anordnung der Situation. Ein Leitmotiv kehrt, vor allem aber nicht nur am Ende der ersten und der letzten Geschichte wieder: eine Totale aus extremer Draufsicht, ein God's-eye-Blick, der allerdings nichts als Tod und Verwüstung in den Blick bekommt, Innenhöfe mit Leichen. Ein Abschiedsblick des Zeichners und Erzählers auch, der darin seine Geschichten summiert und zugleich die Möglichkeit jedes Eingriffs verneint.

Comix Corner:  Andeas Dierßen: Kunz

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